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Aktuell:    Festiva Latina

 


„Hinter dem Horizont geht´s weiter …“

Lateinunterricht heute

 

 

Eine Fabel zum Anfang (Phaedrus I 3):

 

Graculus Superbus et Pavo

Ne gloriari libeat alienis bonis,

suoque potius habitu vitam degere,

Aesopus nobis hoc exemplum prodidit.

 

Tumens inani graculus superbia

pinnas, pavoni quae deciderant, sustulit,

seque exornavit. Deinde, contemnens suos

immiscet se pavonum formoso gregi.

Illi impudenti pinnas eripiunt avi,

fugantque rostris. Male mulcatus graculus

redire maerens coepit ad proprium genus;

a quo repulsus tristem sustinuit notam:

Tum quidam ex illis, quos prius despexerat:

'Contentus nostris si fuisses sedibus

et, quod natura dederat, voluisses pati,

nec illam expertus esses contumeliam

nec hanc repulsam tua sentiret calamitas'.

Die arrogante Dohle und der Pfau

Damit es einem nicht in den Sinn kommt, mit fremden Vorzügen zu prahlen, sondern lieber mit seinen eigenen Möglichkeiten sein Leben zu führen, hat Aesop uns das folgende Beispiel aufgeschrieben.

Eine Dohle, die von grundloser Arroganz fast platzte, hob Federn, die einem Pfau ausgefallen waren, auf und schmückte sich damit. Dann, voller Verachtung für ihre Artgenossen, mischte sie sich unter die schön anzusehende Gruppe der Pfauen. Die rissen dem unverschämten Vogel die Federn aus und vertrieben ihn mit ihren Schnäbeln. Übel zugerichtet machte sich die Dohle auf den Rückweg zu ihren eigenen Artgenossen: Von diesen wurde sie verscheucht und musste sich eine böse Bemerkung anhören: Da sagte eine von denen, auf die sie früher herabgeblickt hatte: „Wenn du mit unserer Lebensweise zufrieden gewesen wärest und hättest akzeptieren wollen, was die Natur dir einmal gegeben hatte, hättest du weder jene Schande erduldet noch würdest du in deinem Unglück unter dieser Ablehnung leiden.“

 

Latein – eine konzentrierte Sprache

In der Erzählung „Die folgende Geschichte“ formuliert der niederländische Autor Cees Nooteboom:

„Nie wieder wird es eine Sprache wie Latein geben, nie mehr werden Präzision und Schönheit und Ausdruck eine solche Einheit bilden. Unsere Sprachen haben allesamt zu viele Wörter, man sehe sich nur die zweisprachigen Ausgaben an, links die wenigen, gemessenen Worte, die gemeißelten Zeilen, rechts die volle Seite, der Verkehrsstau, das Wortgedränge, das unübersichtliche Gebrabbel.“ (Cees Nooteboom, Die folgende Geschichte, Frankfurt a. M. 1991, S. 19)

Man sieht es auch an unserer Fabel: Latein ist eine sehr konzentrierte Sprache, in der die Dinge sehr viel knapper ausgedrückt werden. Ein Verb mag als Beispiel dienen: voluisses (aus der drittletzten Zeile der Fabel): Sie besteht aus drei Bestandteilen:

vol-uisse-s: =

„du hättest gewollt“

- Am letzten Buchstaben, dem –s, erkennen die Schüler, dass es sich um die „du“-Form handelt;

- der Baustein davor „-uisse-“ kennzeichnet den Konjunktiv II der Vergangenheit, also den Konjunktiv Plusquamperfekt: „hättest ge-“

- der Stamm „vol-“ enthält die Bedeutung „wollen“ (das deutsche „wollen“ hat sich aus dem lateinischen Verb entwickelt).

 

Übersetzen – ein kreativer und anspruchsvoller Vorgang

Wenn Schülerinnen und Schüler aus dem Lateinischen übersetzen, stellen sie eine Fülle von Überlegungen an und probieren Bedeutungs- und Wiedergabemöglichkeiten aus, um die Gedanken des Autors zu erfassen und am Ende zu einer gelungenen Umformung ins Deutsche zu kommen.

Da die lateinische Sprache in vielem anders funktioniert, z. B. eine viel freiere Wortstellung hat, muss sie genau beobachtet werden.

An der fünften und sechsten Zeile soll gezeigt werden, welche Schritte Schülerinnen und Schüler beim Übersetzen vollziehen:

Tumens            inani                graculus         superbia

1. „wörtliche“ Üb.: Schwellend dem leeren? durch den leeren? die/eine Dohle durch Stolz

2. Ordnen: Schwellend durch leeren Stolz hob eine Dohle ...

3. Sprachlich-stilistische Verbesserung: Eine Dohle, die vor grundloser Überheblichkeit fast platzte,

 

pinnas,         pavoni                quae deciderant,              sustulit, …

1. „wörtliche“ Üb.: die Federn, dem/einem Pfau die herabgefallen waren, er/sie/es hob empor.

2. Ordnen: Federn, die einem Pfau herabgefallen waren, hob sie auf

3. Sprachlich-stilistische Verbesserung: hob Federn auf, die einem Pfau ausgefallen waren, …

 

Außerdem können die Schüler noch Beobachtungen machen, die sich oft in einer deutschen Übersetzung nicht angemessen wiedergeben lassen, z. B.:

- Phaedrus stellt das Wort „tumens – schwellend / fast platzend“ betont an den Anfang der ganzen Fabel, denn dies ist das besondere Kennzeichen der Dohle, das alles Weitere auslöst.

- Die lateinische Wortstellung bildet ab, dass die Dohle von ihrer grundlosen Überheblichkeit regelrecht eingehüllt ist: „inani – graculus – superbia“.

 

Die römischen Autoren hatten den Anspruch ihre Texte als sprachliche Kunstwerke zu formen; in „Rhetorik“, der Sprach- und Redekunst, war jeder gebildete Römer sehr gut geschult.

Schülerinnen und Schüler können so die Wirkungen, die mit Sprache erzielt werden können, erleben, durchschauen und wenigstens zum Teil nachahmen.

Beim Übersetzen trainieren und erweitern die Schüler so immer auch ihr Ausdrucksvermögen in der deutschen Sprache und in der Grammatik. Gleichzeitig können sie kritischer gegenüber den Verführungen von Sprache werden.

 

Latein – Vom Übersetzen zum Verstehen des Anderen

Fabeln sind eine uralte Form der Menschen, Geschichten zu erzählen und gleichzeitig bestimmte Meinungen mitzuteilen.

Wer unser Fabelbeispiel liest, wird schnell an die deutsche Redewendung „sich mit fremden Federn schmücken“ denken. Man versteht sofort, dass die Fabel das Unsinnige dieses Tuns und seine Folgen aufzeigt.

Oft aber unterscheiden sich lateinische Texte nicht nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihrem Inhalt deutlich von heutigen Denk- und Ausdrucksgewohnheiten.

Wenn Schülerinnen und Schüler lateinische Texte genau übersetzen, können sie nicht flüchtig über das Gesagte hinweggehen. Das Übersetzen hält sie dazu an, Wort für Wort die Aussage des Autors nachzuvollziehen. Dies fordert ihnen Einfühlungsvermögen und die geduldige Bereitschaft ab, die eigene Perspektive zu verlassen und die des Autors einzunehmen. Umso wichtiger ist dies, wenn die Auffassungen des Autors nicht den eigenen entsprechen.

Dieses Verstehen des Fremden erweitert die eigenen Denkgewohnheiten und fördert Toleranz.

 

Lateinische Texte – Wurzeln unserer Zivilisation

Latein ist ein Fach der Horizonterweiterung:

Die Schüler tauchen ein in die antike Welt der Römer und vergleichen sie mit ihrer heutigen Welt. Sie sehen eine Fülle von Unterschieden in den Lebensbedingungen. Sie erkennen aber auch, dass unsere Sprache, unser Denken und Handeln in vieler Hinsicht mit dem verwandt sind bzw. auf das zurückgehen, was die römischen Schriftsteller geschrieben haben. So sehen sie ihr Leben aus einer neuen Perspektive:

Das römische Alltagsleben und die römische Wirtschaft basierten in erheblichem Umfang auf der Sklaverei. Diese überwunden zu haben ist eine historische Errungenschaft. Gleichwohl erinnern Zeitungsberichte über Arbeitsformen in Schwellenländern oder der Dritten Welt an die antike Sklaverei.

Die Römer kannten noch nicht die parlamentarische Demokratie heutiger Prägung. Die grundsätzlichen Überlegungen zu einer Typologie der Staatsformen je nachdem, wer in welchem Maße an der politischen Macht teilhat, lassen sich aber unmittelbar auf heutige politisch-wirtschaftliche Verhältnisse übertragen.

Ad rem publicam accedere? A re publica recedere? Sich politisch engagieren? Oder sich ins Private zurückziehen? Diese Frage hat z. B. Cicero ausführlich erörtert. Gelten seine Überlegungen noch? Wie stehen wir heute zwischen Stuttgart 21 und der Problematik der Atomenergie dazu?

Was macht den Menschen aus?

Welche Bedeutung hat seine Fähigkeit zu überlegtem, rationalem Handeln, welche Bedeutung haben seine Gefühle?

Wie ist das Verhältnis der Geschlechter zueinander?

Welche Bedeutung hat die Liebe?

Wie ist die Stellung des Menschen zu den Göttern bzw. zu Gott?

Wann ist der Mensch glücklich – welche Rolle spielt dabei Reichtum?

Diese grundlegenden Fragen lassen sich bei der Lektüre der philosophischen Briefe des Seneca, der philosophischen Texte Ciceros oder der römischen Dichtung erörtern.

Viele Schüler lassen sich von den Mythenerzählungen über die griechisch-römischen Götter und die Helden faszinieren, z. B. von dem heldenhaft-starken Herkules, dem menschenfreundlichen Prometheus, dem listigen Odysseus und seiner übermenschlich standhaften und treuen Frau Penelope. Die mythischen Erzählungen des Ovid in seinen „Metamorphosen“ waren über viele Jahrhunderte das mythologische Handbuch für Künstler und Schriftsteller.

Die Schüler lernen die griechische und römische Geschichte und die politischen Entwicklungen näher kennen. Sie können anhand der Denkmodelle römischer Autoren über Faktoren, die das historische Geschehen vorantreiben, und das Verhältnis des Individuums und der Geschichte nachdenken und die Darstellung mit heutigen Geschehnissen vergleichen.

 

Lateinunterricht heute – modern geworden

Lateinunterricht besteht längst nicht mehr aus einem bloßen Übersetzungsbetrieb, sondern aus ständiger Auseinandersetzung mit inhaltlichen Fragen – wie beschrieben. Sprache ist nicht Selbstzweck, sondern dient dazu, Inhalte zu entdecken und das kulturelle Wissen der Schüler zu erweitern.

Die Textausgaben, die bei der Lektüre der Originaltexte verwendet werden, tragen dem Rechnung: Sie enthalten nicht nur lateinische Texte, sondern auch aktuelles Text- und Bildmaterial, das zum Vergleichen auffordert.

Gruppenarbeit, Diskussionsrunden, szenische Darstellungen, Museumsbesuche, Exkursionen, die Einbeziehung von Filmen, Abbildungen, künstlerischen Darstellungen, Theaterstücken … : Die Formen des Unterrichts sind vielfältiger geworden, wie dies auch die neuen Kerncurricula anregen.

 

Ab dem Schuljahr 2011/2012 wird Latein an der Helene-Lange-Schule mit dem Lehrwerk PRIMA.NOVA unterrichtet. Dieses Buch ist im Frühjahr 2011 neu erschienen und konsequent auf das niedersächsische Kerncurriculum abgestimmt. Gelernt wird das sprachlich wirklich Notwendige an interessanten Texten. Hinzu kommen abwechslungsreiche Übungen und eine Fülle anschaulicher Abbildungen und informierender bzw. erzählender Sachtexte.

 

Latein – Abschlüsse: Kleines Latinum, Latinum, Großes Latinum

"Wenn wir gewusst hätten, dass wir das Latinum fürs Studium brauchen, hätten wir es an der Schule gemacht …" (Äußerung zweier Studentinnen an der TU Dresden).

Für das Studium vieler sprachlicher und literarischer Fächer, für viele Lehrerstudiengänge, für Geschichte, Theologie, Archäologie usw. sind Lateinkenntnisse Voraussetzung für das Studium, damit die Sprachen, Fachbegriffe oder schriftlichen Textquellen besser verstanden werden.

Wer Latein nicht in der Schule gelernt hat, muss dies dann in den ersten Semestern parallel zum eigentlichen Studium nachholen.

Lateinkenntnisse helfen außerdem häufig auch dann, wenn sie von den Studienordnungen nicht ausdrücklich vorgeschrieben werden (etwa in medizinischen, naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen, z. B. um Fachbegriffe besser zu verstehen und sich einzuprägen).

Genauere Informationen hierzu finden Sie auf der Homepage des Deutschen Altphilologenverbandes:

www.altphilologenverband.de → „Latein“ → „Latein als Studienvoraussetzung“.

 

Im Fach Latein können die Schüler drei Abschlüsse erwerben: das Kleine Latinum (das am häufigsten als Studienvoraussetzung verlangt wird), das Latinum und das Große Latinum (mit dem man nachweist, dass man sogar z. B. philosophische Originaltexte Ciceros verstehen und übersetzen kann).

 

Aus der folgenden Tabelle können Sie erkennen, wann Ihr Kind welchen Latinumsabschluss erreicht hat:

 

 

Kleines Latinum

Latinum

Großes Latinum

Lateinunterricht begonnen in Kl. 6:

am Ende von Jahrgang 9

am Ende von Jahrgang 10

am Ende von Jahrgang 12

Lateinunterricht begonnen in Kl. 7:

am Ende von Jahrgang 10

am Ende von Jahrgang 11

Latein als ein Prüfungsfach im Abitur

Anforderungen:

Die Schülerinnen und Schüler …

- erschließen leichte Originaltexte,

übersetzen sie adäquat ins Deutsche und interpretieren sie.

- gewinnen einen ersten Einblick in Themen, Gattungen und Epochen der lateinischen Literatur anhand entsprechender Texte von Autoren wie z. B.

Nepos, Caesar, Phaedrus, Hygin, Gellius, Caesarius von Heisterbach,

anhand Passagen der Vulgata oder der Legenda Aurea.

- erschließen anspruchsvollere Originaltexte, übersetzen sie adäquat ins Deutsche und interpretieren sie.

- gewinnen einen vertieften Einblick in Themen, Gattungen und Epochen der lateinischen Literatur anhand entsprechender Texte von Autoren wie z. B.

Cicero, Catull, Ovid, Martial, Plinius d. J., Curtius Rufus, Augustinus, Erasmus.

Die Lektüre mindestens eines Dichters ist verbindlich.

- erschließen anspruchsvolle Originaltexte, übersetzen sie adäquat ins Deutsche und interpretieren sie.

- gewinnen einen vertieften Einblick in Themen, Gattungen und Epochen der  lateinischen Literatur anhand entsprechender Texte von Autoren wie z. B.

Cicero, Livius, Seneca, Tacitus, Vergil, Ovid, Properz.

 

 

 

Das Kerncurriculum für den Unterricht in Latein in den Jahrgängen 5/6 bis 10 finden Sie unter dem Link

http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/kc_gym_latein_08_nib2.pdf.

 

Das Kerncurriculum für den Unterricht in Latein in den Jahrgängen 11 und 12 / gymnasiale Oberstufe finden Sie unter dem Link

http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/kc_latein_go_i_03-11.pdf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Fachgruppe LATEIN der Helene-Lange-Schule Hannover / wr Mai 2011)

 
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